Mehr als eine Softwarefrage
Im Metallbau entstehen Pläne unter Zeitdruck: Geländer, Treppen, Fassadenelemente oder Stahlkonstruktionen müssen gezeichnet, mit Architekten abgestimmt, geändert und für Werkstatt und Montage aufbereitet werden. Eine branchenspezifische CAD-Lösung soll genau diese Kette beschleunigen, vom ersten Entwurf über Schnitte und Details bis zur Stückliste.
Viele Betriebe vergleichen dabei vor allem Funktionslisten und Lizenzpreise. In der Praxis entscheidet aber etwas anderes: ob die Software im Alltag des Teams tatsächlich genutzt wird. Wird ein Programm ohne Einführung installiert, bleibt oft ein Grossteil der Möglichkeiten brach, und der Betrieb bezahlt für Potenzial, das nie in der Werkstatt ankommt.
Eine CAD-Lösung ist ein Paket aus Software, Einführung und Support. Wer nur die Software beurteilt, beurteilt die Hälfte.
Zuerst die eigenen Anforderungen klären
Bevor Sie Anbieter vergleichen, lohnt sich eine ehrliche Bestandesaufnahme im eigenen Betrieb. Diese Fragen helfen:
- Arbeiten Sie hauptsächlich in 2D, oder brauchen Sie 3D-Modelle, etwa für komplexe Treppen oder Fassaden?
- Existiert bereits eine 3D-Software, die nur für Schnitte und Werkpläne ergänzt werden soll?
- Wie oft ändern sich Plankopf, Revisionen und Projektdaten, und wer pflegt sie?
- Sollen Stücklisten und Materiallisten automatisch aus der Zeichnung entstehen?
- Welche Formate tauschen Sie mit Architekten, Ingenieuren und Lieferanten aus?
- Wie viele Arbeitsplätze brauchen Sie heute, und wie viele in drei Jahren?
- Wie gross ist die CAD-Erfahrung im Team, und wer kann intern schulen?
Praxistipp
Nehmen Sie ein abgeschlossenes, typisches Projekt als Referenz und lassen Sie es sich in jeder Testversion oder Vorführung nachzeichnen. So vergleichen Sie Arbeitsabläufe statt Prospekte.
Die wichtigsten Auswahlkriterien
| Kriterium | Worauf achten | Frage an den Anbieter |
|---|---|---|
| Bedienung | Logischer Aufbau, der für das ganze Team nachvollziehbar ist | Wie lange braucht eine neue Mitarbeiterin bis zum ersten eigenen Plan? |
| Gesamtkosten | Lizenz, Wartung, Updates, Installation, Schulung | Was ist in der Wartung enthalten und was wird separat verrechnet? |
| Support | Erreichbarkeit, Sprache, Reaktionszeit, Nähe | Wer hilft, wenn am Freitagnachmittag ein Plan raus muss? |
| Datenaustausch | Gängige Austauschformate, Unabhängigkeit der Objekte | Wie gut lassen sich Daten bei einem späteren Wechsel weiterverwenden? |
| Einsatzrolle | Eigenständige 2D-Lösung oder Ergänzung zu 3D | Wie funktioniert das Zusammenspiel mit unserer bestehenden Software? |
| Vorlagen und Bibliotheken | Branchenbauteile, Profile, Normteile | Können Sie unsere Vorlagen und Standarddetails übernehmen? |
Besonders beim Preis-Leistungs-Verhältnis lohnt ein genauer Blick. Eine günstige Lizenz ist schnell teurer als eine vermeintlich teure Gesamtlösung, wenn Schulungen, Anpassungen und Supportstunden einzeln bezahlt werden müssen.
Die Einführung entscheidet über den Nutzen
Für erfahrene CAD-Anwender kann der Umstieg ohne grosse Hürden gelingen. Für Einsteiger oder Teams, die bisher von Hand oder mit einem allgemeinen Zeichenprogramm gearbeitet haben, ist eine strukturierte Einführung dagegen der wichtigste Erfolgsfaktor.
- Bedürfnisse erheben: Welche Planarten, Details und Listen braucht der Betrieb wirklich?
- Paket zusammenstellen: nur die Module lizenzieren, die gebraucht werden.
- Vorlagen und Bibliotheken einrichten: Plankopf, Layer, Profile und Standarddetails vor dem Start bereinigen.
- Schulen: Grundkurs für alle, Vertiefung für die Hauptanwender, idealerweise an eigenen Projekten.
- Nach einigen Wochen nachschulen: Ein Team-Workshop deckt ungenutzte Funktionen und eingeschliffene Umwege auf.
Vertrag genau lesen
Schulungen und Workshops sind in Wartungsverträgen häufig nicht enthalten. Klären Sie vor der Unterschrift, welche Leistungen separat anfallen, und budgetieren Sie sie von Anfang an.
Betriebsgrösse, Lizenzmodell und Alternativen
Metallbau-CAD wird von Einzelplanern ebenso eingesetzt wie von Betrieben mit zweistelliger Zahl an Arbeitsplätzen. Laut Anbieter liegt der grösste Kundenanteil der Schweizer ANTLOG AG bei Firmen mit 2 bis 5 Arbeitsplätzen, einzelne Betriebe arbeiten mit 15 bis 25 Lizenzen. Entscheidend ist also weniger die Firmengrösse als die Arbeitsweise.
- Einzelplaner: Start mit einer Lizenz, Fokus auf Support und gute Vorlagen.
- Kleine Teams: einheitliche Standards wichtiger als Spezialfunktionen.
- Grössere Betriebe: Volumenkonditionen, zentrale Verwaltung von Vorlagen, Rollen und Updates prüfen.
- Betriebe mit 3D-Software: Eine spezialisierte 2D-Lösung kann als Ergänzung für Schnitte und Werkpläne sinnvoller sein als ein kompletter Systemwechsel.
Denken Sie auch an den Ausstieg. Je stärker Ihre Daten an proprietäre Objekte gebunden sind, desto teurer wird ein späterer Wechsel. Fragen Sie deshalb gezielt nach Exportmöglichkeiten und der Weiterverwendbarkeit bestehender Pläne.