Drei Faktoren, die den Zeitpunkt bestimmen
Den perfekten Moment gibt es selten, aber es gibt günstige und ungünstige Konstellationen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von drei Faktoren: der Ertragskraft des Unternehmens, der Lage und Perspektive der Branche sowie Ihrer persönlichen Situation. Stimmen alle drei, verhandeln Sie aus einer starken Position. Fehlt einer, lässt sich das mit Vorbereitung oft ausgleichen, solange Sie nicht unter Zeitdruck stehen.
Praktisch heisst das: Die Ertragskraft sollte über mehrere Jahre belegbar sein, denn Käufer und finanzierende Banken stützen sich auf die Vergangenheit, um die Zukunft einzuschätzen. Das Marktumfeld beeinflusst, wie viele Interessenten es gibt und zu welchen Konditionen sie finanzieren können. Und Ihre persönliche Situation bestimmt, wie viel Geduld Sie für einen sorgfältigen Prozess aufbringen.
Verkaufen Sie, wenn Käufer an die Zukunft des Unternehmens glauben, nicht erst dann, wenn Sie selbst nicht mehr daran glauben.
Günstige und ungünstige Signale
| Bereich | Spricht für einen Verkauf jetzt | Spricht für Abwarten und Vorbereiten |
|---|---|---|
| Ertrag | Stabile oder wachsende Gewinne über mehrere Jahre | Einbruch, Sondereffekte oder unklare Zahlen |
| Markt | Branche mit Nachfrage und aktiven Käufern | Umbruch, dessen Ausgang offen ist |
| Organisation | Führung und Know-how sind breit verteilt | Alles hängt an der Inhaberin oder am Inhaber |
| Kunden | Breit abgestützt, langfristige Verträge | Wenige Grosskunden mit persönlicher Bindung |
| Person | Klarer Wunsch und Pläne für die Zeit danach | Unsicherheit, ob Sie wirklich loslassen wollen |
Viele Inhaberinnen und Inhaber warten, bis ein persönliches Ereignis wie Krankheit, Erschöpfung oder ein fixes Pensionsdatum den Entscheid erzwingt. Dann bleibt kaum Zeit, Schwächen zu beheben, und Käufer spüren den Druck in der Verhandlung.
Wie viel Vorlauf Sie einplanen sollten
Als Richtwert gilt, die Nachfolge drei bis fünf Jahre vor dem gewünschten Ausstieg anzugehen. Der eigentliche Verkaufsprozess dauert oft ein bis zwei Jahre; die Zeit davor brauchen Sie, um das Unternehmen verkaufsbereit zu machen.
- Drei bis fünf Jahre vorher: Abhängigkeit von Ihrer Person abbauen, Stellvertretungen aufbauen, Prozesse dokumentieren.
- Zwei bis drei Jahre vorher: Buchhaltung bereinigen, nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte wie private Liegenschaften oder überschüssige Liquidität klären, Verträge prüfen.
- Ein bis zwei Jahre vorher: Unternehmensbewertung erstellen lassen, Nachfolgeoptionen vergleichen (Familie, Kader, externe Käufer) und Steuerfolgen abklären.
- Verkaufsphase: Käufer ansprechen, Due Diligence begleiten, Kaufvertrag verhandeln.
- Nach dem Verkauf: Übergabezeit vereinbaren, in der Sie Kunden und Mitarbeitende begleiten.
Steuern und Rechtsform früh klären
Die Steuerfolgen hängen stark von der Rechtsform und der Art des Verkaufs ab. Beim Verkauf von Aktien einer AG oder Stammanteilen einer GmbH aus dem Privatvermögen ist der Kapitalgewinn in der Schweiz grundsätzlich steuerfrei. Es gibt aber wichtige Ausnahmen, etwa die indirekte Teilliquidation, wenn der Käufer den Kaufpreis mit Mitteln des Unternehmens finanziert, oder die Transponierung. Bei Einzelunternehmen ist der Gewinn aus der Veräusserung dagegen als Einkommen steuer- und AHV-pflichtig; für Personen ab 55 Jahren oder bei Invalidität sieht das Gesetz unter bestimmten Bedingungen eine privilegierte Besteuerung des Liquidationsgewinns vor.
Fachleute beiziehen
Steuerliche Regeln und ihre kantonale Praxis ändern sich und hängen vom Einzelfall ab. Lassen Sie die Struktur früh durch eine Treuhänderin oder einen Steuerberater prüfen und klären Sie heikle Punkte bei Bedarf mit einem Steuerruling bei der kantonalen Steuerverwaltung, bevor Sie Verträge unterzeichnen. Prüfen Sie den aktuellen Stand der Regeln zum Zeitpunkt Ihres Verkaufs.
Typische Fehler beim Timing
- Zu spät beginnen und dann unter Zeitdruck an den erstbesten Interessenten verkaufen.
- Den Wert aus emotionaler Sicht festlegen statt auf Basis einer nachvollziehbaren Bewertung.
- Kurz vor dem Verkauf Investitionen aufschieben, sodass Käufer einen Investitionsstau sehen.
- Mitarbeitende und Schlüsselkunden zu früh oder zu spät informieren.
- Die eigene Rolle nach dem Verkauf nicht klären, etwa Übergabezeit, Beratungsmandat oder Konkurrenzverbot.
Häufige Fragen
Soll ich mein Unternehmen bewerten lassen, auch wenn der Verkauf noch nicht konkret ist?
Ist Wachstum die beste Phase für einen Verkauf?
Welche Unterlagen erwarten Käufer?
Ist eine familieninterne Nachfolge einfacher?
Wie lange bleibe ich nach dem Verkauf noch im Unternehmen?
Wer früh plant, entscheidet selbst über den Zeitpunkt, statt ihn sich von den Umständen diktieren zu lassen.