Bankenunabhängige Depotanalyse: Was bringt sie wirklich?

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MaxQ-Redaktion
Unabhängiger Ratgeber · redaktionell geprüft
Zuletzt geprüft: 25. September 2026

Was eine Depotanalyse prüft

Eine Depotanalyse ist eine Bestandsaufnahme Ihrer Wertschriften aus Sicht der Anlegerin oder des Anlegers. Sie beantwortet drei Fragen: Was kostet mich die heutige Lösung wirklich? Passt das Risiko zu meinen Zielen und meiner Risikofähigkeit? Ist das Depot sinnvoll aufgebaut, oder haben sich über die Jahre Doppelungen und Altlasten angesammelt?

Bankenunabhängig heisst, dass die Analyse nicht von der Bank stammt, die das Depot führt oder die Produkte darin anbietet. Das ist wichtig, weil eine Bank ihre eigene Lösung selten grundsätzlich infrage stellt.

  • Kosten: Depot- und Verwaltungsgebühren, Produktkosten der Fonds, Transaktions- und Währungskosten
  • Risiko: Aktienquote, Klumpenrisiken bei Titeln, Branchen und Währungen, Übereinstimmung mit dem Risikoprofil
  • Struktur: Anzahl und Überschneidung der Fonds, Anteil hauseigener Produkte, steuerliche Effizienz
  • Ergebnis: Rendite nach Kosten im Vergleich zu einer passenden Vergleichsgrösse

Für wen sie sich lohnt

Den grössten Nutzen haben Personen mit einem grösseren Wertschriftenvermögen, das seit Jahren bei einer Bank liegt, oft in einem Verwaltungsmandat. Ein Anbieter in der Schweiz nennt als Richtwert Vermögen ab rund CHF 100'000; darunter sind die möglichen Einsparungen im Verhältnis zum Aufwand oft klein.

SituationEinschätzungWarum
Grösseres Depot, seit Jahren unverändertGut geeignetKosten und Struktur wurden lange nicht überprüft
Verwaltungsmandat mit PauschalgebührGut geeignetZusätzliche Produktkosten sind oft nicht sofort sichtbar
Wunsch nach neutraler Zweitmeinung vor einem EntscheidGeeignetDie Analyse ersetzt Bauchgefühl durch Zahlen
Kleines Depot mit wenigen günstigen IndexfondsEher nicht nötigDas Optimierungspotenzial ist meist gering
Erwartung, dass Produkte verkauft werdenNicht passendEine unabhängige Analyse ist keine Produktberatung

Wo die Kosten stecken

Die Gebühr auf dem Depotauszug ist selten alles. Viele Kosten werden direkt im Fondsvermögen abgezogen und erscheinen nie als eigene Belastung. Seit dem Inkrafttreten des Finanzdienstleistungsgesetzes FIDLEG müssen Finanzdienstleister ihre Kosten offenlegen; der vollständige Überblick verlangt aber oft gezieltes Nachfragen.

KostenartWo sie sichtbar wirdWorauf achten
Depot- und VerwaltungsgebührGebührenabrechnung, DepotauszugProzentsatz, Mindestgebühren, Pauschalen
Laufende FondskostenBasisinformationsblatt, FondsdokumenteAnteil hauseigener, teurer Fonds
TransaktionskostenAbrechnungen einzelner Käufe und VerkäufeHäufigkeit der Umschichtungen
WährungskostenKurs bei Käufen in FremdwährungAufschläge auf den Devisenkurs
RetrozessionenVertrag und KostenausweisOb sie weitergegeben werden oder Sie darauf verzichtet haben

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten zeigt, warum sich der genaue Blick lohnt: Kostet ein Depot von CHF 500'000 alles in allem 1.5 Prozent pro Jahr statt 0.8 Prozent, beträgt die Differenz CHF 3'500 jährlich. Über zehn Jahre summiert sich das, inklusive entgangener Erträge auf diesem Betrag, auf deutlich mehr als CHF 35'000. Entscheidend ist deshalb die Gesamtkostenquote, nicht die einzelne Gebühr.

Retrozessionen im Blick behalten

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts stehen Vertriebsentschädigungen, die eine Bank im Rahmen eines Verwaltungsmandats erhält, grundsätzlich den Kunden zu, sofern diese nicht informiert darauf verzichtet haben. Ob und in welchem Umfang Ansprüche bestehen, klären Sie im Einzelfall mit einer Fachperson.

Ablauf und benötigte Unterlagen

  1. Erstgespräch: Ziele, Anlagehorizont, Risikobereitschaft und Liquiditätsbedarf klären.
  2. Unterlagen übergeben: aktueller Depotauszug, Vermögensverwaltungs- oder Beratungsvertrag, Gebührenreglement, Transaktionsliste der letzten Jahre, Steuerauszug.
  3. Analyse: Kosten berechnen, Risiko und Struktur beurteilen, Ergebnis mit einer passenden Vergleichsgrösse messen.
  4. Bericht: Befunde schriftlich und nachvollziehbar dokumentieren, mit priorisierten Massnahmen.
  5. Entscheid: Sie bestimmen, ob Sie mit der Bank verhandeln, Anpassungen vornehmen oder nichts ändern.

Eine solide Analyse dauert meist wenige Tage bis wenige Wochen, abhängig von der Komplexität des Depots und der Vollständigkeit der Unterlagen. Ein Anbieter gibt für seinen Prozess fünf Arbeitstage an.

Unabhängigkeit des Anbieters prüfen

Eine kostenlose Analyse ist nicht automatisch neutral. Irgendwie muss der Anbieter seine Arbeit finanzieren, etwa über ein späteres Mandat, eine Beratungsgebühr oder Provisionen. Das ist legitim, sollte aber offen deklariert sein.

  • Wie wird der Anbieter bezahlt, und erhält er Provisionen von Produktanbietern?
  • Verfügt er als Vermögensverwalter über die nötige Bewilligung der FINMA und ist er einer Ombudsstelle angeschlossen?
  • Erhalte ich einen schriftlichen Bericht mit nachvollziehbaren Zahlen?
  • Wird mir auch abgeraten, wenn kein relevantes Potenzial besteht?
  • Muss ich für Verbesserungen die Bank wechseln, oder genügt eine Verhandlung?
Der Wert einer Depotanalyse liegt in der Transparenz, nicht im Versprechen einer höheren Rendite.

Häufige Fragen

Muss ich nach der Analyse die Bank wechseln?
Nein. Oft genügt es, mit der bestehenden Bank über Gebühren, Produktwahl oder Mandatsart zu verhandeln. Ein Wechsel ist eine Option, keine Voraussetzung.
Welche Ergebnisse sind realistisch?
Das hängt vom Ausgangspunkt ab. Bei teuren Mandaten mit vielen hauseigenen Fonds sind spürbare Einsparungen möglich, bei schlanken Depots eher wenig. Seriöse Anbieter versprechen keine bestimmte Mehrrendite.
Ist eine kostenlose Depotanalyse vertrauenswürdig?
Sie kann es sein, wenn offengelegt wird, wie sich der Anbieter finanziert. Fragen Sie konkret nach Provisionen und Folgeaufträgen.
Welche Unterlagen brauche ich?
Mindestens den aktuellen Depotauszug, den Vertrag mit der Bank, das Gebührenreglement und idealerweise eine Transaktionsliste der letzten Jahre.
Wie oft ist eine Depotanalyse sinnvoll?
Nach grösseren Veränderungen im Leben oder im Vermögen und sonst etwa alle paar Jahre, besonders wenn sich Gebührenmodelle der Bank ändern.