Was eine Depotanalyse prüft
Eine Depotanalyse ist eine Bestandsaufnahme Ihrer Wertschriften aus Sicht der Anlegerin oder des Anlegers. Sie beantwortet drei Fragen: Was kostet mich die heutige Lösung wirklich? Passt das Risiko zu meinen Zielen und meiner Risikofähigkeit? Ist das Depot sinnvoll aufgebaut, oder haben sich über die Jahre Doppelungen und Altlasten angesammelt?
Bankenunabhängig heisst, dass die Analyse nicht von der Bank stammt, die das Depot führt oder die Produkte darin anbietet. Das ist wichtig, weil eine Bank ihre eigene Lösung selten grundsätzlich infrage stellt.
- Kosten: Depot- und Verwaltungsgebühren, Produktkosten der Fonds, Transaktions- und Währungskosten
- Risiko: Aktienquote, Klumpenrisiken bei Titeln, Branchen und Währungen, Übereinstimmung mit dem Risikoprofil
- Struktur: Anzahl und Überschneidung der Fonds, Anteil hauseigener Produkte, steuerliche Effizienz
- Ergebnis: Rendite nach Kosten im Vergleich zu einer passenden Vergleichsgrösse
Für wen sie sich lohnt
Den grössten Nutzen haben Personen mit einem grösseren Wertschriftenvermögen, das seit Jahren bei einer Bank liegt, oft in einem Verwaltungsmandat. Ein Anbieter in der Schweiz nennt als Richtwert Vermögen ab rund CHF 100'000; darunter sind die möglichen Einsparungen im Verhältnis zum Aufwand oft klein.
| Situation | Einschätzung | Warum |
|---|---|---|
| Grösseres Depot, seit Jahren unverändert | Gut geeignet | Kosten und Struktur wurden lange nicht überprüft |
| Verwaltungsmandat mit Pauschalgebühr | Gut geeignet | Zusätzliche Produktkosten sind oft nicht sofort sichtbar |
| Wunsch nach neutraler Zweitmeinung vor einem Entscheid | Geeignet | Die Analyse ersetzt Bauchgefühl durch Zahlen |
| Kleines Depot mit wenigen günstigen Indexfonds | Eher nicht nötig | Das Optimierungspotenzial ist meist gering |
| Erwartung, dass Produkte verkauft werden | Nicht passend | Eine unabhängige Analyse ist keine Produktberatung |
Wo die Kosten stecken
Die Gebühr auf dem Depotauszug ist selten alles. Viele Kosten werden direkt im Fondsvermögen abgezogen und erscheinen nie als eigene Belastung. Seit dem Inkrafttreten des Finanzdienstleistungsgesetzes FIDLEG müssen Finanzdienstleister ihre Kosten offenlegen; der vollständige Überblick verlangt aber oft gezieltes Nachfragen.
| Kostenart | Wo sie sichtbar wird | Worauf achten |
|---|---|---|
| Depot- und Verwaltungsgebühr | Gebührenabrechnung, Depotauszug | Prozentsatz, Mindestgebühren, Pauschalen |
| Laufende Fondskosten | Basisinformationsblatt, Fondsdokumente | Anteil hauseigener, teurer Fonds |
| Transaktionskosten | Abrechnungen einzelner Käufe und Verkäufe | Häufigkeit der Umschichtungen |
| Währungskosten | Kurs bei Käufen in Fremdwährung | Aufschläge auf den Devisenkurs |
| Retrozessionen | Vertrag und Kostenausweis | Ob sie weitergegeben werden oder Sie darauf verzichtet haben |
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten zeigt, warum sich der genaue Blick lohnt: Kostet ein Depot von CHF 500'000 alles in allem 1.5 Prozent pro Jahr statt 0.8 Prozent, beträgt die Differenz CHF 3'500 jährlich. Über zehn Jahre summiert sich das, inklusive entgangener Erträge auf diesem Betrag, auf deutlich mehr als CHF 35'000. Entscheidend ist deshalb die Gesamtkostenquote, nicht die einzelne Gebühr.
Retrozessionen im Blick behalten
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts stehen Vertriebsentschädigungen, die eine Bank im Rahmen eines Verwaltungsmandats erhält, grundsätzlich den Kunden zu, sofern diese nicht informiert darauf verzichtet haben. Ob und in welchem Umfang Ansprüche bestehen, klären Sie im Einzelfall mit einer Fachperson.
Ablauf und benötigte Unterlagen
- Erstgespräch: Ziele, Anlagehorizont, Risikobereitschaft und Liquiditätsbedarf klären.
- Unterlagen übergeben: aktueller Depotauszug, Vermögensverwaltungs- oder Beratungsvertrag, Gebührenreglement, Transaktionsliste der letzten Jahre, Steuerauszug.
- Analyse: Kosten berechnen, Risiko und Struktur beurteilen, Ergebnis mit einer passenden Vergleichsgrösse messen.
- Bericht: Befunde schriftlich und nachvollziehbar dokumentieren, mit priorisierten Massnahmen.
- Entscheid: Sie bestimmen, ob Sie mit der Bank verhandeln, Anpassungen vornehmen oder nichts ändern.
Eine solide Analyse dauert meist wenige Tage bis wenige Wochen, abhängig von der Komplexität des Depots und der Vollständigkeit der Unterlagen. Ein Anbieter gibt für seinen Prozess fünf Arbeitstage an.
Unabhängigkeit des Anbieters prüfen
Eine kostenlose Analyse ist nicht automatisch neutral. Irgendwie muss der Anbieter seine Arbeit finanzieren, etwa über ein späteres Mandat, eine Beratungsgebühr oder Provisionen. Das ist legitim, sollte aber offen deklariert sein.
- Wie wird der Anbieter bezahlt, und erhält er Provisionen von Produktanbietern?
- Verfügt er als Vermögensverwalter über die nötige Bewilligung der FINMA und ist er einer Ombudsstelle angeschlossen?
- Erhalte ich einen schriftlichen Bericht mit nachvollziehbaren Zahlen?
- Wird mir auch abgeraten, wenn kein relevantes Potenzial besteht?
- Muss ich für Verbesserungen die Bank wechseln, oder genügt eine Verhandlung?
Der Wert einer Depotanalyse liegt in der Transparenz, nicht im Versprechen einer höheren Rendite.