Warum ECC-Kunden jetzt entscheiden müssen
Viele Schweizer KMU arbeiten seit Jahren mit SAP ECC, das über die Zeit mit Eigenentwicklungen und Sonderlogik angereichert wurde. Gemäss der von SAP kommunizierten Wartungsplanung endet die reguläre Wartung für SAP ECC 6.0 Ende 2027, eine kostenpflichtige Verlängerung ist bis Ende 2030 möglich. Prüfen Sie die für Ihren Vertrag geltenden Bedingungen direkt bei SAP oder Ihrem Partner.
Damit stellt sich nicht mehr die Frage, ob, sondern wie gewechselt wird. Zur Wahl stehen im Kern eine technische Konvertierung des bestehenden Systems, eine Neueinführung in einer privaten Umgebung oder der Umstieg auf die Public Cloud mit strengem Standard. Letzteres verspricht die kürzesten Projektzeiten, verlangt aber die Bereitschaft, gewohnte Sonderwege aufzugeben.
Eine ERP-Einführung ist ein Transformationsprojekt für das ganze Unternehmen, kein reines IT-Vorhaben.
Ein dokumentiertes Beispiel aus der Region Bern
Wie ein solcher Wechsel in der Praxis aussehen kann, zeigt ein Projekt, das der Integrationspartner TeamWork Schweiz AG dokumentiert hat. Ein Industrie-KMU aus der Region Bern löste zwischen Januar und Juli 2025 sein stark individualisiertes ECC-System durch SAP Cloud ERP Public ab, vormals SAP S/4HANA Cloud Public Edition. Leitlinie war, konsequent den Cloud-Standard zu nutzen und nur dort anzupassen, wo es ein klares Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens stützte.
| Migrierte Daten laut Projektbericht | Umfang |
|---|---|
| Materialstammsätze | 15'000 |
| Geschäftspartner | 1'230 |
| Stücklisten | 2'780 |
| Einkaufsinfosätze | 12'700 |
| Orderbucheinträge | 12'500 |
| Laufende Fertigungsaufträge | 60 |
Betroffen waren Finanzen, Verkauf, Produktion, Einkauf, Supply Chain und IT-Management. Laut Projektbericht wurden die administrativen Prozesse danach um rund 20 Prozent effizienter, der Einkauf erhielt klarere Strukturen und die Auftragsabwicklung wurde besser nachvollziehbar. Solche Werte sind Angaben aus einem einzelnen Projekt und lassen sich nicht ohne Weiteres übertragen.
Die Bausteine des schnellen Vorgehens
| Baustein | Funktion | Nutzen für das Tempo |
|---|---|---|
| SAP Activate und GROW-Angebot | Standardisiertes Vorgehensmodell | Klare Phasen, bewährte Reihenfolge |
| Digital Discovery Assessment | Strukturierte Vorabklärung | Ersetzt ein langes Pflichtenheft durch einen fokussierten Prozessblick |
| Starter-System ab Tag 1 | Arbeitsumgebung für Workshops | Diskussionen am realen System statt auf Folien |
| Fit-to-Standard-Workshops | Abgleich der Prozesse mit dem Standard | Frühe Entscheidungen, wenige Sonderwünsche |
| SAP Cloud ALM | Projektsteuerung | Dokumente, Tests und Releases an einem Ort |
Der wichtigste Hebel ist dabei weniger die Methode als die Haltung: Jede Abweichung vom Standard muss sich begründen lassen. Wer alte Ausnahmen unbesehen mitnimmt, verliert den Zeitvorteil der Public Cloud und trägt die Komplexität in das neue System.
Wo die eigentliche Arbeit liegt
Die Erfahrung aus dem Projekt deckt sich mit vielen ähnlichen Vorhaben: Die Hauptlast liegt nicht in der Technik, sondern im Change Management, in der Datenvorbereitung und in der Schulung von Keyusern und Endanwendern. Im beschriebenen Fall hatten die Keyuser wegen guter Auftragslage weniger Zeit als geplant, ein realistisches Risiko, das Sie von Beginn an einplanen sollten.
- Datenvorbereitung früh starten und klar dem Unternehmen zuordnen, damit Engpässe nicht erst kurz vor dem Go-live auftauchen.
- Historische Daten nicht einfach migrieren, sondern über ein Archivsystem lösen und nur Nötiges übernehmen.
- Keyuser früh und wiederholt am System arbeiten lassen und im Tagesgeschäft gezielt entlasten.
- Einen verbindlichen Change-Request-Prozess von Anfang an etablieren und konsequent anwenden.
- Schnittstellen zu Drittsystemen früh konzipieren und testen.
Typischer Fehler
Das Tagesgeschäft und die Einführung konkurrieren um dieselben Personen. Ohne formelle Freistellung oder Stellvertretung rutschen Tests und Datenbereinigung nach hinten, und genau dort entstehen Verzögerungen.
Passt die Public Cloud zu Ihrem Unternehmen?
Ein Wechsel in wenigen Monaten ist kein Versprechen, sondern das Ergebnis günstiger Voraussetzungen. Prüfen Sie ehrlich, wie viele der folgenden Punkte auf Ihr Unternehmen zutreffen.
- Die Geschäftsleitung trägt die Standardisierung aktiv mit und entscheidet rasch.
- Ihre Kernprozesse entsprechen weitgehend branchenüblichen Abläufen.
- Sie können benennen, welche wenigen Besonderheiten Ihr Geschäft wirklich differenzieren.
- Fachverantwortliche aus dem Business sind früh und mit Zeitbudget im Projekt.
- Sie akzeptieren regelmässige, vom Hersteller gesteuerte Release-Zyklen.
Treffen mehrere Punkte nicht zu, etwa weil stark individuelle Fertigungs- oder Preislogiken unverzichtbar sind, kann eine private Cloud oder eine Konvertierung trotz längerer Laufzeit die passendere Wahl sein. Holen Sie dazu mehrere unabhängige Einschätzungen ein und lassen Sie sich Referenzprojekte vergleichbarer Grösse zeigen.
Häufige Fragen
Braucht es kein klassisches Pflichtenheft?
Was ist bei der Datenmigration am anspruchsvollsten?
Wie viel Zeit müssen Keyuser einplanen?
Für wen eignet sich SAP Cloud ERP Public besonders?
Sind die 20 Prozent Effizienzgewinn realistisch?
Wer früh fokussiert, Business-Verantwortliche einbindet und genügend Zeit für Fit-to-Standard-Workshops einplant, schafft die besten Voraussetzungen für einen raschen und stabilen Wechsel.