Das Wichtigste in Kürze
In vielen Hallen, Sportanlagen und Industriebauten hängen Leuchten, deren Gehäuse und Reflektoren noch einwandfrei sind, deren Lichttechnik aber veraltet ist. Statt alles zu ersetzen, lassen sich solche Leuchten mit einem Umbausatz auf LED umrüsten. An der Messe Basel wurde dieser Weg bei rund 1400 Hallenleuchten gewählt; laut dem ausführenden Unternehmen smarterion ag mit folgenden Eckwerten:
Angaben des ausführenden Unternehmens zum Projekt Messe Basel
Sanieren oder ersetzen?
Ein Komplettersatz wirkt auf den ersten Blick einfacher. In der Praxis hängt die bessere Lösung von der Bestandessituation ab. Die folgenden Kriterien helfen bei der Abwägung.
| Kriterium | Spricht für Umrüstung | Spricht für Ersatz |
|---|---|---|
| Zustand der Gehäuse und Reflektoren | Mechanisch intakt, gut zu reinigen | Korrodiert, beschädigt, vergilbt |
| Deckengeometrie und Aufhängung | Neue Leuchten passen schlecht oder erfordern Umbauten | Standardmasse, einfacher 1:1-Tausch |
| Erscheinungsbild | Soll erhalten bleiben, etwa aus architektonischen Gründen | Gestaltung darf sich ändern |
| Stückzahl | Grosse Serien gleicher Leuchten | Viele unterschiedliche Typen |
| Nachhaltigkeitsziele | Material und graue Energie sollen geschont werden | Nicht prioritär |
Nachhaltig ist nicht nur, was weniger Strom braucht, sondern auch, was nicht weggeworfen werden muss.
Was ein Retrofit umfasst
Ein fachgerechter Umbau ist mehr als ein Lampenwechsel. Typischerweise durchläuft jede Leuchte folgende Schritte:
- Demontage alter Leuchtmittel und Vorschaltgeräte.
- Reinigung der Reflektoren, damit die Lichtausbeute stimmt.
- Einbau neuer LED-Module und Betriebsgeräte, bei Bedarf mit DALI-Schnittstelle.
- Einzelprüfung jeder Leuchte vor der Wiedermontage.
- Rückbau und Inbetriebnahme, idealerweise feldweise, damit der Betrieb weiterläuft.
Die Steuerung ist oft der unterschätzte Gewinn. Mit DALI lassen sich einzelne Leuchten oder Gruppen gezielt schalten und dimmen, etwa für Aufbau, Ausstellung und Reinigung. Das spart zusätzlich Energie und macht die Halle flexibler nutzbar.
Musterfeld und Planung
Bevor Hunderte Leuchten umgebaut werden, lohnt sich ein Test unter realen Bedingungen. An der Messe Basel wurde ein Deckenfeld mit neun umgebauten Leuchten über längere Zeit im Dauerbetrieb geprüft. So lassen sich Lichtwirkung, Blendung, Farbwiedergabe, Wärmeentwicklung und Alltagstauglichkeit beurteilen, bevor die Lösung in Serie geht.
Worauf die Lichtplanung achten sollte
- Beleuchtungsstärke auf der Nutzfläche, abgestimmt auf die tatsächliche Nutzung der Halle.
- Farbwiedergabe und Farbtemperatur, besonders wenn Produkte ausgestellt oder Veranstaltungen gefilmt werden.
- Blendung aus typischen Blickwinkeln von Besuchenden und Mitarbeitenden.
- Flimmerfreiheit beim Dimmen, auch bei Kamera- und Videoaufnahmen.
- Verhalten der Betriebsgeräte bei Wärme unter der Hallendecke.
Sicherheit und Konformität
Wer eine Leuchte wesentlich verändert, übernimmt Verantwortung für deren elektrische Sicherheit und Konformität. Klären Sie mit dem Anbieter, wer diese Verantwortung trägt und welche Prüfungen dokumentiert werden. Prüfen Sie ausserdem die aktuellen Vorschriften zu Leuchtstofflampen sowie mögliche Förderprogramme für Effizienzmassnahmen, etwa über ProKilowatt.
Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung sollten Sie Energiekosten, Wartungsaufwand, Hebebühnen- und Personalkosten sowie die erwartete Nutzungsdauer des Gebäudes einbeziehen. Bei hohen Decken sind wegfallende Lampenwechsel ein relevanter Kostenfaktor.
Umsetzung im laufenden Betrieb
Bei grossen Anlagen ist oft die Logistik die eigentliche Herausforderung, nicht die Technik. An der Messe Basel liefen die Arbeiten über mehrere Wochen rollierend, während die Halle weiter genutzt wurde. Für die Reinigung der grossen Reflektoren wurde eigens eine Reinigungsanlage gebaut.
- Arbeitsfelder so planen, dass Veranstaltungen und Fluchtwege nicht beeinträchtigt werden.
- Ausreichend Reserveleuchten vorhalten, damit keine Lücken entstehen.
- Transport, Zwischenlager und Reinigung als eigenen Prozess organisieren.
- Abnahme und Messprotokolle feldweise führen, nicht erst am Schluss.
Nicht zu vergessen ist die Entsorgung: Alte Leuchtstoffröhren enthalten Quecksilber und gehören nicht in den Bauschutt. Sie müssen getrennt gesammelt und über die etablierten Rücknahmesysteme fachgerecht entsorgt werden. Klären Sie im Angebot, wer dafür zuständig ist und wie die Entsorgung dokumentiert wird.
Häufige Fragen
Für welche Gebäude eignet sich ein Retrofit?
Warum nicht einfach neue Leuchten kaufen?
Welche Rolle spielt die DALI-Steuerung?
Was bringt eine Lebensdauer von über 50'000 Stunden?
Ist ein Musterfeld wirklich nötig?
Wie lange dauert ein solches Projekt?
Die Messe Basel zeigt, dass ein LED-Retrofit keine Notlösung sein muss. Wer Bestand, Betrieb und Lichtqualität gemeinsam plant, erreicht mit weniger Material eine zeitgemässe Beleuchtung.