Worauf es bei der Auswahl ankommt
Ob chirurgische Instrumente, OP-Verbrauchsmaterial, Absaugtechnik, Wundversorgung oder Produkte für Urologie und Endoskopie: Für Spitäler, Kliniken und Arztpraxen reicht ein breites Sortiment allein nicht aus. Entscheidend ist, ob ein Produkt zur konkreten Anwendung passt, ob es im Alltag zuverlässig verfügbar ist und ob bei Fragen fachlich kompetente Unterstützung erreichbar ist.
Eine gute Auswahl beginnt deshalb nicht im Katalog, sondern mit einer klaren Beschreibung des Bedarfs. Die folgenden vier Ebenen helfen, Anbieter und Produkte strukturiert zu vergleichen.
- Anwendung: Passt das Produkt zu Fachgebiet, Eingriff, Patientengruppe und vorhandenen Geräten?
- Konformität: Darf das Produkt in der Schweiz rechtmässig in Verkehr gebracht werden, und sind die Unterlagen vollständig?
- Versorgung: Ist die Lieferung auch bei Spitzen, Ferienzeiten oder globalen Engpässen gesichert?
- Service: Gibt es Schulung, Unterstützung bei Aufbereitung und Sterilisation, Wartung und schnelle Antworten bei Problemen?
Der regulatorische Rahmen in der Schweiz
Medizinprodukte unterstehen in der Schweiz dem Heilmittelgesetz und der Medizinprodukteverordnung (MepV), für In-vitro-Diagnostika gilt die IvDV. Die MepV wurde 2021 weitgehend an die europäische Medizinprodukteverordnung (MDR) angeglichen. Aufsichtsbehörde ist Swissmedic.
Weil das Abkommen mit der EU über die gegenseitige Anerkennung für Medizinprodukte nicht aktualisiert wurde, gilt die Schweiz im Verhältnis zur EU seither als Drittstaat. Für Einkäufer hat das praktische Folgen: Hersteller mit Sitz im Ausland brauchen für den Schweizer Markt einen Bevollmächtigten mit Sitz in der Schweiz (CH-REP), und Importeure haben eigene Prüfpflichten. CE-gekennzeichnete Produkte können weiterhin in Verkehr gebracht werden, sofern diese Pflichten erfüllt sind.
Auch Gesundheitseinrichtungen selbst haben Pflichten. Dazu gehören die fachgerechte Instandhaltung von Produkten, die Aufbereitung nach dem Stand der Technik und die Meldung schwerwiegender Vorkommnisse an Swissmedic. Spitäler müssen zudem eine Vigilance-Kontaktperson bezeichnen. Öffentliche Spitäler unterstehen je nach Trägerschaft und Auftragswert zusätzlich dem Beschaffungsrecht.
Aktuellen Stand prüfen
Die Regeln sind in Bewegung. Das Parlament hat den Bundesrat beauftragt, auch Produkte zuzulassen, die nach aussereuropäischen Regulierungen wie jener der USA zugelassen sind, die Umsetzung war im Herbst 2026 noch nicht in allen Punkten abgeschlossen. Verlassen Sie sich nicht auf ältere Merkblätter, sondern prüfen Sie die aktuellen Vorgaben bei Swissmedic und ziehen Sie bei Unsicherheit eine Fachperson für Regulatory Affairs bei.
Kriterien für den Anbietervergleich
| Kriterium | Was Sie prüfen sollten | Warum es zählt |
|---|---|---|
| Regulatorische Unterlagen | Konformitätserklärung, Kennzeichnung, Angaben zu CH-REP und Importeur, Gebrauchsanweisung in Landessprache | Ohne vollständige Unterlagen drohen Beanstandungen und Haftungsrisiken |
| Qualitätsmanagement | Zertifizierungen wie ISO 13485, nachvollziehbare Prozesse für Rückrufe und Reklamationen | Zeigt, ob der Anbieter strukturiert mit Fehlern umgeht |
| Lieferfähigkeit | Lagerhaltung in der Schweiz, Lieferfristen, Regelung bei Engpässen, Ersatzartikel | Fehlende Artikel stören OP-Pläne und Praxisabläufe |
| Kompatibilität | Passung zu bestehenden Geräten, Sieben, Aufbereitungsprozessen und Standards im Haus | Nicht kompatible Produkte verursachen Mehraufwand und Fehlerrisiken |
| Service und Schulung | Einführung für das Team, Ansprechperson, Unterstützung bei Aufbereitung und Sterilisation | Sichert die korrekte Anwendung über den ganzen Lebenszyklus |
Zertifikate ersetzen keine Praxisprüfung. Sie schaffen aber einen nachvollziehbaren Rahmen, besonders wenn mehrere Anbieter infrage kommen. Fragen Sie nach, ob sich ein Zertifikat auf das ganze Unternehmen oder nur auf einen Standort bezieht und wie lange es noch gültig ist.
Gesamtkosten statt Stückpreis
Viele Beschaffungen werden am Einkaufspreis gemessen. Der eigentliche Aufwand entsteht aber häufig, wenn ein Ablauf unterbrochen wird: Ein Artikel fehlt, der Ersatz passt nicht zum vorhandenen System, oder eine Frage zur Aufbereitung bleibt tagelang unbeantwortet. Dann kosten Umplanung, Verschiebungen und Mehrarbeit im Team schnell mehr, als beim Stückpreis gespart wurde.
Ein realistisches Beispiel: Eine Praxis stellt aus Kostengründen auf günstigere Einweginstrumente um. Nach einigen Wochen zeigt sich, dass die Handhabung anders ist, das Team zusätzliche Einführung braucht und einzelne Grössen nicht zuverlässig lieferbar sind. Die Ersparnis pro Stück wird durch Zeitverlust und Notbestellungen aufgezehrt.
Der günstigste Artikel ist nicht günstig, wenn er einen Prozess unterbricht.
Berücksichtigen Sie deshalb bei der Bewertung neben dem Preis auch Lagerkosten, Verfall, Schulungsaufwand, Aufbereitung, Entsorgung und die Kosten eines Ausfalls.
Lieferantenwechsel sauber umsetzen
Kritisch ist bei einer Umstellung selten das Produkt selbst, sondern der Übergang. Ein geordnetes Vorgehen reduziert das Risiko von Lücken im Tagesgeschäft.
- Bedarf mit dem Fachbereich festlegen: Anwendungen, Mengen, Varianten und Mindestbestände.
- Regulatorische Unterlagen und Qualitätsnachweise vor dem Entscheid einholen und prüfen.
- Muster im Alltag testen lassen, idealerweise von den Personen, die das Produkt später verwenden.
- Übergangsfristen, Restbestände, Ersatzartikel und Ansprechpersonen schriftlich regeln.
- Team schulen, Aufbereitungsanweisungen anpassen und interne Dokumentation aktualisieren.
- Nach einigen Monaten auswerten: Lieferfähigkeit, Reklamationen, Rückmeldungen des Teams.
Einkauf, Fachbereich und Aufbereitung zusammenbringen
Viele Probleme entstehen, weil der Einkauf entscheidet, ohne die Aufbereitung oder die Anwender einzubeziehen. Ein kurzes gemeinsames Gespräch vor dem Entscheid spart später viel Korrekturaufwand.
Häufige Fragen
Dürfen CE-gekennzeichnete Produkte in der Schweiz verwendet werden?
Welche Rolle spielt ISO 13485?
Was muss eine Praxis bei Zwischenfällen tun?
Lohnt es sich, mehrere Fachbereiche bei einem Anbieter zu bündeln?
Woran erkennt man einen belastbaren Servicepartner?
Wer Medizinprodukte auswählt, sollte die Entscheidung nicht auf den Artikel verkürzen. Entscheidend ist, ob Konformität, Versorgung und Service auch unter Druck tragen.