Warum die Nutzung über die Signaletik entscheidet
Signaletik ist mehr als Beschriftung. Sie führt Menschen durch ein Gebäude, zeigt, wo sie sind, und prägt den Eindruck einer Liegenschaft. In Bürohäusern mit vielen Mietern, in Gewerbeparks, Einkaufszentren, gemischt genutzten Überbauungen oder umgenutzten Industriebauten ändert sich die Belegung laufend. Eine Beschilderung, die nur den Zustand am Eröffnungstag abbildet, ist nach wenigen Jahren lückenhaft oder widersprüchlich.
Gute Signaletik wird deshalb aus der konkreten Situation entwickelt: Architektur innen und aussen, Materialisierung, Farbräume, Lichtverhältnisse und Wege der Besucherinnen und Besucher. Erst daraus lässt sich ableiten, welche Elemente fest bleiben und welche sich verändern müssen.
Flexible Signaletik plant den Mieterwechsel schon am ersten Tag mit.
Ein System statt vieler Einzelschilder
Die meisten Orientierungssysteme bestehen aus mehreren Ebenen. Sie ändern sich unterschiedlich häufig und sollten entsprechend unterschiedlich gebaut werden.
| Ebene | Beispiele | Änderungshäufigkeit | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Objekt und Adresse | Gebäudename, Hausnummer, Eingangsmarkierung | Selten | Robust und fest montiert |
| Leitsystem | Wegweiser zu Treppen, Liften, Geschossen, Parkierung | Gelegentlich | Fest, mit austauschbaren Inhalten |
| Mieteridentifikation | Firmenschilder, Übersichtstafeln, Briefkästen, Klingeln | Häufig | Modular, einfach und günstig austauschbar |
| Information | Geschosspläne, Öffnungszeiten, Hinweise | Laufend | Modular oder digital |
| Sicherheit | Fluchtwege, Notausgänge, Feuerlöscher | Nur bei baulichen Änderungen | Nach Brandschutzvorgaben, gestalterisch nicht verfremden |
Sicherheitskennzeichnung ist nicht verhandelbar
Fluchtweg- und Sicherheitszeichen unterliegen in der Schweiz den Brandschutzvorschriften. Sie müssen erkennbar bleiben, auch wenn das übrige System stark gestaltet ist. Klären Sie Anforderungen mit der Brandschutzbehörde und der Fachplanung.
Modular, fest oder digital?
| Lösung | Vorteile | Grenzen |
|---|---|---|
| Fest montierte Schilder | Langlebig, hochwertig, geringer Unterhalt | Jede Änderung braucht ein neues Schild |
| Modulare Systeme mit Einschüben oder Wechselplatten | Anpassung ohne Handwerker, einheitliches Erscheinungsbild | Höhere Anfangsinvestition, Ersatzteile müssen verfügbar bleiben |
| Folienbeschriftungen | Günstig und schnell geändert | Weniger dauerhaft, Qualität hängt von der Ausführung ab |
| Digitale Anzeigen | Inhalte zentral und sofort aktualisierbar | Strom, Netzwerk, Software, Unterhalt und Lebensdauer der Geräte |
In der Praxis bewährt sich oft eine Kombination: eine feste Grundstruktur für Objekt und Leitsystem, modulare Elemente für Mieter und digitale Anzeigen dort, wo sich Informationen täglich ändern, etwa im Eingangsbereich grosser Geschäftshäuser.
Ein Beispiel: In einem Geschäftshaus mit zwölf Mietparteien wechseln pro Jahr zwei bis drei Firmen. Sind Übersichtstafel, Geschossschilder und Türschilder fest graviert, braucht es jedes Mal neue Elemente, einen Werbetechniker und oft mehrere Wochen Wartezeit. Mit Wechseleinschüben im gleichen Raster tauscht die Bewirtschaftung die Beschriftung selbst aus, und das Erscheinungsbild bleibt einheitlich.
Achten Sie bei modularen Systemen darauf, dass Einschübe, Profile und Schriften auch in einigen Jahren noch erhältlich sind. Halten Sie Schriftdateien, Farbwerte und Masse in einer kurzen Gestaltungsvorgabe fest, damit auch ein anderer Lieferant passende Elemente herstellen kann.
Marke der Liegenschaft und Marken der Mieter
Eine Liegenschaft hat oft eine eigene Identität, die Mieter bringen ihre Marken mit. Ein gutes Konzept integriert die bestehenden Corporate-Identity-Elemente der Eigentümerschaft und definiert, wo und in welcher Form Mieter ihre Logos zeigen dürfen. Das stärkt den Auftritt und senkt langfristig Kosten, weil nicht bei jeder Änderung neu gestaltet werden muss.
- Ein Beschriftungsreglement als Teil des Mietvertrags: Formate, Materialien, Farben, Positionen
- Klare Kostenregeln: wer die Mieterbeschriftung bei Einzug und Auszug bezahlt
- Vorlagen, damit Werbetechniker neue Mieter ohne Rückfragen umsetzen können
- Aussenreklamen frühzeitig prüfen, da sie in der Regel eine Bewilligung der Gemeinde brauchen
Zusammenarbeit und Betrieb
Ein regelmässiger Austausch zwischen Bauherrschaft, Architektur, Werbetechnik, Vermarktung und Bewirtschaftung hat sich als effizient erwiesen. So lassen sich Mieterbeschriftungen bei einem Wechsel einfach und kostengünstig anpassen, und niemand improvisiert mit provisorischen Schildern.
- Analyse: Nutzungen, Besucherströme, Architektur und Licht aufnehmen.
- Konzept: Ebenen, Gestaltung, Materialien und Änderungslogik festlegen.
- Umsetzung: Prototypen vor Ort testen, dann produzieren und montieren.
- Dokumentation: einen Schilderkatalog mit Standorten, Inhalten und Bezugsquellen anlegen.
- Betrieb: Zuständigkeit für Änderungen festlegen und das System jährlich überprüfen.
Hindernisfreiheit einplanen
Kontraste, Schriftgrössen, Montagehöhen und taktile Elemente entscheiden darüber, ob alle Menschen sich zurechtfinden. In der Schweiz ist dafür die Norm SIA 500 zu hindernisfreien Bauten massgebend. Berücksichtigen Sie sie von Anfang an, nachträgliche Korrekturen sind teurer.