Algen an der Fassade: Reinigen statt neu streichen?

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MaxQ-Redaktion
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Zuletzt geprüft: 25. September 2026

Warum Fassaden grün und schwarz werden

Grünliche Schleier stammen meist von Algen, graue bis schwarze Flecken von Pilzen oder Schimmel, oft gemischt mit Staub und Russ. Sie siedeln sich dort an, wo die Oberfläche lange feucht bleibt: an Nord- und Westseiten, hinter Bäumen und Hecken, unter fehlenden Dachvorsprüngen und in der Nähe von Wiesen oder Gewässern.

Besonders betroffen sind wärmegedämmte Fassaden (WDVS). Weil die Dämmung die Wärme im Haus hält, kühlt die dünne Putzschicht nachts stark ab. Es bildet sich Tauwasser, und die Fläche trocknet am Morgen nur langsam. Das ist kein Baumangel im engeren Sinn, sondern eine physikalische Folge guter Dämmung.

Ein Belag ist zuerst ein optisches Problem. Zum Sanierungsfall wird er erst, wenn der Putz selbst Schaden nimmt.

Oberfläche oder Substanz: der entscheidende Befund

Ob eine Reinigung genügt, entscheidet nicht die Farbe des Belags, sondern der Zustand des Untergrunds. Eine Fachperson prüft deshalb vor Ort und nicht anhand von Fotos. Folgende Punkte sollten Sie sich im Befund bestätigen lassen:

  • Der Putz ist fest, tragfähig und kreidet beim Darüberstreichen nicht.
  • Es gibt keine Abplatzungen, Hohlstellen oder offenen Stellen im Dämmsystem.
  • Risse sind höchstens feine Haarrisse und nicht durchgehend.
  • Der Belag sitzt auf der Oberfläche und nicht in der Bausubstanz.
  • Es gibt keine Hinweise auf eindringende Feuchtigkeit, etwa an Fensteranschlüssen oder Sockeln.
BefundTypische Empfehlung
Putz intakt, Belag oberflächlichSchonende Reinigung, danach Schutzbehandlung
Putz intakt, einzelne HaarrisseReinigung, Risse lokal ausbessern
Putz kreidet oder Anstrich blättertReinigung als Vorbereitung, dann Neuanstrich
Abplatzungen, Hohlstellen, FeuchteschädenSanierung des Systems, Ursache zuerst klären

So läuft eine schonende Reinigung ab

  1. Zustand beurteilen und eine Musterfläche an unauffälliger Stelle reinigen.
  2. Fenster, Pflanzen, Beläge und Abläufe schützen.
  3. Ein auf den Untergrund abgestimmtes Reinigungsmittel auftragen und einwirken lassen.
  4. Mit reguliertem, niedrigem Druck und warmem Wasser nachspülen.
  5. Nach dem Trocknen eine Schutzbehandlung aufbringen, etwa eine Hydrophobierung.
  6. Ergebnis abnehmen und festhalten, wann die Fläche wieder kontrolliert wird.

Vorsicht mit dem Hochdruckreiniger

Zu hoher Druck raut den Putz auf, kann Wasser ins Dämmsystem treiben und schafft genau die Oberfläche, auf der sich Algen später noch besser halten. Auch das Abwasser ist ein Thema: Klären Sie, ob Mittel und Entsorgung den Vorgaben von Kanton und Gemeinde zum Gewässerschutz entsprechen.

Praxisbeispiel: Reinigung gegen Neuanstrich

Wie gross der Unterschied sein kann, zeigt ein dokumentiertes Projekt im Mittelland, das der ausführende Betrieb GEKO GmbH beschreibt. Elf Mehrfamilienhäuser mit zusammen 12'500 m² WDVS-Fassade wiesen Algen- und Schimmelbefall auf, der mineralische Oberputz war aber intakt. Gereinigt wurde vom Boden aus mit Teleskoplanzen bis 15 m Höhe, ohne Gerüst und ohne Hebebühne, gespült mit druckreguliertem Heisswasser unter 20 bar. Zum Schluss folgte eine Hydrophobierung.

VarianteKostenDauerEingriff
Neuanstrich (offeriert)CHF 920'00028 WochenGerüst, Risssanierung, zweifacher Silikonharzanstrich
Reinigung mit Schutz (ausgeführt)CHF 248'0003.5 WochenArbeit vom Boden aus, sanfte Spülung, Hydrophobierung

Die Zahlen gelten für diesen einen Fall und lassen sich nicht auf jedes Gebäude übertragen. Sie zeigen aber das Muster: Den grössten Teil der Kosten eines Neuanstrichs machen oft Gerüst, Vorarbeiten und Bauzeit aus, nicht die Farbe selbst.

Typische Fehler und die Rolle der Fachperson

  • Nach Optik statt nach Substanz entscheiden und sofort einen Neuanstrich offerieren lassen.
  • Einen Anstrich über einen nicht gereinigten Belag legen lassen.
  • Mit zu hohem Druck arbeiten und die Putzstruktur beschädigen.
  • Auf Schutzmassnahmen verzichten und den Befall nach wenigen Jahren wieder haben.
  • Die Ursachen ignorieren, etwa Bewuchs direkt an der Fassade oder defekte Dachrinnen.

Selber reinigen kommt höchstens bei kleinen, gut erreichbaren Flächen mit eindeutigem Befund in Frage. Sobald Höhe, Fläche oder Zustand des Putzes unklar sind, braucht es Erfahrung mit Mitteln, Druck und Arbeitssicherheit. Fragen Sie Anbieter, welche Mittel sie einsetzen, mit welchem Druck sie arbeiten, ob eine Musterfläche vorgesehen ist, wie das Abwasser behandelt wird und welche Garantie sie auf das Ergebnis geben.

Für Verwaltungen

Holen Sie für grössere Liegenschaften immer zwei Varianten ein: Reinigung mit Schutz und Neuanstrich. Erst der direkte Vergleich von Kosten, Bauzeit und Einschränkungen für die Mieterschaft macht den Entscheid belastbar.

Häufige Fragen

Kann eine stark verfärbte Fassade trotzdem nur gereinigt werden?
Ja, sofern der Putz intakt ist und der Belag auf der Oberfläche sitzt. Das Ausmass der Verfärbung sagt wenig über den Zustand des Untergrunds aus.
Wann ist ein Neuanstrich trotzdem nötig?
Wenn der Putz kreidet, der Anstrich abblättert, Risse durchgehen oder das Dämmsystem beschädigt ist. Dann liegt das Problem tiefer, und eine Reinigung ist höchstens die Vorbereitung.
Wie lange hält das Ergebnis?
Das hängt von Lage, Ausrichtung, Bewuchs und Schutzbehandlung ab. Eine Hydrophobierung verlangsamt die Wiederbesiedelung, verhindert sie aber nicht dauerhaft. Planen Sie regelmässige Sichtkontrollen ein.
Ist die Reinigung für Bewohner und Umgebung belastend?
Bei Arbeit vom Boden aus sind die Einschränkungen meist gering. Wichtig sind geschlossene Fenster während der Arbeiten, abgedeckte Pflanzen und eine korrekte Entsorgung des Abwassers.
Hilft ein algizider Anstrich gegen neuen Befall?
Er kann die Wiederbesiedelung verzögern, die Wirkstoffe werden aber mit der Zeit ausgewaschen. Konstruktive Massnahmen wie Rückschnitt von Bewuchs und funktionierende Wasserableitung bleiben wichtig.

Die wichtigste Regel lautet: zuerst den Untergrund beurteilen lassen, dann entscheiden. Wer diese Reihenfolge einhält, vermeidet Arbeiten, die technisch noch gar nicht nötig sind.